Sonnabend 19. April: Wir fliegen von Mekele zurück nach Addis. Endlich wieder Internet! Nach zwei Tagen, die man buchstäblich von der Welt abgeschnitten war. Also auch von diesem Blog! Ich bitte um Verzeihung. Auch wenn Mekele die wichtigste Stadt in der Tigray-Region ist, – mit Internet darf man hier nicht rechnen. Auch die spezielle Vodafone-Karte für Extremsituationen kann man vergessen. Das Ergebnis: ein Blog, der um einige Tage zurück ist, und eine mehr als beunruhigte Ehefrau!
Der Blog wird wieder up-to-date gebracht; dann ziehen wir los auf Souvenir-Jagd. Wir hatten hierfür nur 60 Minuten, und die fingen jetzt an…! Für wen? Was? Kriege ich das in meinen Koffer? Nicht zu schwer? Zerbrechlich? Am Ende hatte ich drei kunstvolle Schaals für Tochter, Frau und Mutter, einen besonders bunten äthiopischen Schaal, einen Gürtel und ein Schweiß- und Stirnband für den Sohn, ein paar Halsketten, T-Shirts und schließlich drei Pakete duftender äthiopischer Kaffeebohnen für Vater, Bruder und mich selbst. Mission erfüllt in 59,05 Minuten!
Am Abend nehmen Sadie und ich noch das letzte Interview auf. Auf dem Dach unseres Hotels, mit einem prächtigen Sonnenuntergang über Addis im Hintergrund, schreiben wir unseren Bericht. Wir tun uns nicht leicht. Nach Anhören der endgültigen Fassung haben auch wir es geschafft. Wir ziehen uns mit der Gruppe zurück, mit der wir eine ganze Woche unter extremen Bedingungen und mit extremen Emotionen arbeiten mussten. Wir trinken St. George, das äthiopische Becks.
Sonntag 20. April: Um ein Uhr morgens geht unser Flugzeug. Allerdings mit einer Verspätung von 40 Minuten wegen technischer Probleme. Das gefällt mir nicht. Und auch nicht, dass man im letzten Moment noch fieberhaft versucht, das Fenster von meinem Sitznachbarn zuzukleben, meine Armlehne kaputt ist und Sadie‘s Sitzlehne nach hinten abbricht. Ethiopian Airlines, das ist etwas ganz besonderes.
Aber wir sind dann doch auf dem Weg zurück in die Heimat. Mit dem Flugzeug von Addis, Zwischenstopp in Rom, nach London. Mit der Tube nach St Pancras Station. Und mit dem Eurostar nach Brüssel. Per Zug nach Antwerpen und… es regnet! Verd….!!! Die restlichen Buchstaben dieses bekannten Schimpfworts schlucke ich herunter. Ich habe mich nicht mehr getraut, diese auszusprechen. Nach einer Woche Konfrontation mit der Wasserproblematik in Äthiopien wollte ich die Wettergötter nicht verfluchen. Ich gehe ohne Jacke oder Regenschirm durch die Keyserlei, … durch den Regen, zu meiner Familie.
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