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3. Tag: May Ayni und Adiger

Wieder zurück im Wagen und auf zum nächsten Ort – wo das Schwerkraft-Wassersystem schon seit einigen Jahren im Einsatz ist. Die EOC-Mitarbeiter erzählten uns noch etwas mehr zu der Technologie und der Pipeline, anschließend gingen wir zur Wasserstelle des Dorfes, wo uns schon die Dorfbewohner erwarteten. Die Unterschiede zum ersten Dorf waren sofort spürbar – diese Menschen sahen einfach glücklich aus. Zuerst sah ich gar keine Frauen, da sie in einer Reihe hinter den Männern saßen. Um niemanden vor den Kopf zu stoßen, redete Serge mit den Männern, während Rona und ich uns zu den Frauen und Kindern setzten.

Wir unterhielten uns hier mit faszinierenden Menschen. Bevor es das Wasserversorgungssystem gab, brauchten sie zum Wasserholen je eine Stunde für den Hin- und Rückweg – und das zwei Mal täglich. Heute brauchen sie pro Weg nur noch fünf bis 15 Minuten. Drei der Mädchen hatten Babys bei sich – sie steckten in reich verzierten Lederrucksäcken und trugen zum Schutz vor der Sonne süße kleine Hüte. (Die Frauen boten uns an, für Rona und mich Hüte und Tragen anzufertigen, wenn wir in einem Jahr mit einem Baby wiederkämen – hmmm!!) Was mich während der Unterhaltung mit diesen Frauen wirklich erstaunte, war, wie sauber und gesund sie alle auf mich wirkten. Sie erklärten uns, dass sie, als sie noch zwei Stunden fürs Wasserholen brauchten, nur kleinere Mengen tragen konnten und daher Prioritäten setzen mussten. Dinge, wie sich selbst und ihre Kleider zu waschen, mussten somit häufig zurückstehen. Auch die Kinder wurden nicht regelmäßig gewaschen, was zu Hautproblemen und zu noch etwas anderem führte, was wir gar nicht bedacht hatten – sie waren unsicher in der Schule. Aber jetzt konnten sie das Wasser für all das benutzen, wofür sie es brauchten, da es so nah an ihrem Zuhause war. Wie sie uns erzählten, heizten sie manchmal sogar ihre Pfannen an und gingen in der Zwischenzeit erst das Wasser holen.

Die Wasserstelle wurde hier von einem Wächter beaufsichtigt, dessen Dienste mit überschüssigem Restwasser bezahlt wurden. Er hatte eine kleine Rinne gebaut, die vom unteren Ende der Wasserstelle in seinen Garten führte. Serge und ich halfen ihm beim Unkrautrupfen. Es ist erstaunlich, wie viel man mit sauberem und zugänglichem Wasser erreichen kann.

Mitten im Dorf besuchten wir noch den Gemüsegarten einer Frau. Vor dem Wasserprojekt musste sie noch auf Regen warten, um ihre Pflanzen bewässern zu können. Der Ertrag hatte nur gerade für das Überleben ihrer Familie gereicht. Noch nie zuvor war mir die Bedeutung der Subsistenzwirtschaft so deutlich vor Augen geführt worden. Und wieder beeindruckte mich, wie etwas so Selbstverständliches wie der Zugang zu Trinkwasser das Leben von Grund auf verändern kann. Es war Markttag, und da wir die Frau mit unserem Besuch davon abhielten ihr überschüssiges Gemüse anzubieten, kauften wir ihr zur Entschädigung etwas davon ab.

Mittagessen. Anschließend unsere erste richtige Kaffeezeremonie, durchgeführt von Brun, der „Junior-Hygienebeauftragten“ aus dem Dorf. Hinterher führten wir noch ein tolles Interview mit ihr durch. Mit ihren 22 Jahren war sie noch nicht verheiratet (was eher ungewöhnlich ist für die Frauen aus dem Dorf). Wie sie uns erzählte, will sie erst heiraten und Kinder kriegen, wenn sie ihnen ein besseres Leben bieten kann.

Das letzte Projekt des Tages, und wir alle zeigten erste Ermüdungserscheinungen. In den Bergen besuchten wir ein beeindruckendes Dorf, das wie eine Oase inmitten einer Wüste wirkte. Die erste Frau, der wir begegneten, hatte noch Angst vor der Kamera, bis wir ihr auf dem Display eine Aufnahme ihres kleinen Sohns zeigten. Danach konnte sie nicht mehr genug davon kriegen und wollte auf jeder Aufnahme mit drauf sein! Das Dorf verfügte ebenfalls seit einem Jahr über ein Schwerkraft-Wassersystem – und ging sehr innovativ mit dem Abwasser um. Das abfließende Wasser aus dem Viehtrog wird über Nacht in einem Teich aufgefangen, dann durch ein Senkloch herausgelassen und mithilfe eines Aquädukts aus ausgehöhlten Baumstämmen über ein ausgetrocknetes Flussbett geführt. Eingesetzt wurde das Wasser ebenfalls zur Bewässerung eines Gemüsegartens. Das Dorf verfügt zudem noch probeweise über eine Biogasanlage, die uns vorgeführt wurde, nachdem wir zwei Frauen aus dem Wasserkomitee interviewt hatten. Hier zu sein, stimmte mich sehr zuversichtlich. Es ist einfach faszinierend zu sehen, wie nichts vergeudet wird – nicht mal ihr eigener Abfall! Erneut zeigte sich, wie wichtig Wasser als Ausgangspunkt für alles andere ist, wie es den Menschen einen Weg aus der Armut bietet und ein besseres Leben ermöglicht.

Am Ende gaben wir Mark noch ein Interview vor einem unglaublich spektakulären Hintergrund. Ich wurde wieder sehr emotional, als ich von den Kindern erzählte, denen ich im ersten Dorf begegnet war, freute mich aber sehr über die erstaunlichen Fortschritte, die wir danach zu sehen bekommen hatten. In gewisser Weise bin ich froh, dass wir die ungeschützte Wasserstelle zuerst gesehen hatten, da sie mir vor Augen führte, wie grundverschieden doch das Leben in Gemeinden ist, die heute über einen Zugang zu sauberem Wasser verfügen. Was für ein Tag, was für ein Auf und Ab der Gefühle!

Serge spends some time with the men of the village at May Ayni
We help out with the weeding at Haile's kitchen garden
Kendihurt at the water point in May Ayni
Hilfi shows us her latrine
Kuleytu in her kitchen garden
The aqueduct to carry water from the tap stand over a gorge to Letekirus's house
Ganet and Letekirus show us the taps where they collect water now
Kalay in his kitchen garden in Adiger
Sadie and Serge interview Letekirus and Ganet from Adiger's water committee
Ganet and Letekirus show us how they used to collect water
Sadie and Serge complete their interview to a fantastic backdrop
Galerie erkunden

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