Wieder um 5.30 Uhr aufgestanden und um 6 Uhr aufgebrochen, damit die Jungs schöne Aufnahmen machen können, bevor die Sonne zu hoch am Himmel steht. Gefrühstückt haben wir unterwegs – ein Omelettsandwich, eine gekochte Kartoffel und ein Ei. Mark hat schon ein Interview mit mir und Serge gefilmt, dazu, wie wir uns fühlen. Zu diesem Zeitpunkt noch schwer zu sagen…
Wir kamen zuerst zu einem Markt, in dessen unmittelbarer Nähe sich eine ungeschützte Wasserquelle befand. Wir gingen dorthin, um uns einen Eindruck zu verschaffen und Bilder zu machen. In dieser Phase war ich sehr nervös. Waren wir zuvor noch recht behütet gewesen und überall hingefahren worden, so war es nun ein kleiner Schock für mich, plötzlich mitten unter all den Menschen zu sein. Als wir den Weg vom Markt hinuntergingen, musste ich mich schon schwer zusammenreißen – ich traute meinen Augen kaum, als ich sah, wie uns einige sehr junge Kinder mit riesigen Kanistern auf dem Rücken entgegenkamen.
Als wir an dem Fluss ankamen, sahen wir dort eine Gruppe von Kindern und einigen älteren Frauen, die ihre Wasserkanister auffüllten. Im Vergleich zu den Menschen, die wir in der Stadt gesehen hatten, sahen sie sehr arm und in manchen Fällen auch nicht gesund aus. Wir sprachen mit einem kleinen, elfjährigen Mädchen, das für ihre ganze Familie Wasser holte. Mit zwei Kanistern wurde der Esel beladen, einen trug sie auf dem Rücken. Ich hob einen der Kanister auf den Esel, einen anderen schnallte mir das Mädchen mit einem Tuch auf den Rücken. Die Kanister fassten 25 Liter – genauso groß wie unsere Nachfüllbehälter, und ich konnte nur noch denken: „Ich weiß, wie schwer das sein wird“. Kaum länger als eine Minute stand ich dort, aber der Kanister war so schwer und unhandlich, dass ich mich kaum aufrichten konnte. Als mir klar wurde, was diese Kinder Tag für Tag durchmachten, einfach um zu überleben, wurde ich von meinen Gefühlen überwältigt. Ich fühlte mich schrecklich, vor allen zu weinen, denn für sie war es ihr Alltag… aber am eigenen Körper jene Strapazen nachzuempfinden, die sie auf sich nehmen mussten, um verschmutztes Wasser zu holen, das sie ohnehin nur krank machte, war ein zu großer Schock für mich.
Zu unserer Überraschung sagten zuerst alle auf die Frage unseres Übersetzers, ob das Wasser sie krank mache, nein. Wir versuchten die Frage umzuformulieren: „Habt ihr jemals Magenprobleme?“ Anscheinend dachten alle, krank zu sein, sei etwas so Ernstes, dass man davon sterben müsste. Magenprobleme zu haben, war für sie so alltäglich, dass es für sie keine Krankheit darstellte und sie es uns gegenüber gar nicht erst erwähnten!
Ihre Kommentare hinzufügen
Reisebericht Sadie (9 posts)
Interview (6 posts)
Reisebericht Serge (8 posts)
Sadie (15 posts)
Sadie Ramm (1 posts)
Serge (8 posts)